Kleine Lederkunde

Noch immer ist Leder die erste Wahl bei den Materialien zur Schuhherstellung - kein Wunder, denn es ist ein natürliches Material mit einzigartigen Eigenschaften, die es perfekt für den Einsatz an Füßen machen: Es ist stabil, widerstandsfähig, atmungsaktiv und (entsprechend gepflegt) schützt vor Nässe. Aber: Leder ist nicht gleich Leder! Je nach Tier und Bearbeitungsweise kann es unterschiedliche Optik und Eigenschaften haben.

Die folgende Aufzählung beschränkt sich auf die bei unseren Schuhen am häufigsten verwendeten Lederarten:

Nubuk
Ein Rauleder, welches an der Haarseite (auch Narbenseite) leicht angeraut ist. Im Gegensatz zum Veloursleder hat es einen kürzeren, feineren Schliff und eine samtartige Oberfläche. Meist vom Rind, kann aber auch von Schaf, Ziege oder Schwein kommen.

Velours
Ein an der Rückseite (Fleischseite) angeschliffenes Rauleder, oft auch fälschlich als Wildleder bezeichnet. Meist vom Rind, kann aber auch von Schaf, Ziege oder Schwein kommen.

Fettleder
Meist robuste Glattleder die extra mit Fett oder Wachs behandelt werden. Dadurch entwickelt sich relativ schnell eine Patina (Gebrauchsspuren) ähnlich wie bei verwaschenen Jeans.

Kalbsleder (Calf)
Im Vergleich zu normalem Rindsleder zeichnet es sich durch ein feineres Narbenbild aus und ist von der Struktur her besonders fest und sehr gleichmäßig. Es gilt als eines der hochwertigsten Leder.

Samtziege
Keine neue Ziegenart, sondern zu Nubukleder verarbeitetes Ziegenleder mit feiner, samtartiger Oberfläche.

Nappa
Ein Glattleder, bei welchem die Haarseite (auch Narbenseite) nicht geschliffen wurde und bei dem natürliche Unregelmäßigkeiten (Narben, Pigmentierung) unverändert erkennbar sind. Den Namen hat es ursprünglich vom Napa Valley in den USA, dessen Leder in dem Ruf stand, sehr weich zu sein. Heutzutage steht der Begriff allgemein für sehr weiche Glattleder, egal welcher Herkunft oder welches Tier.

Schuhgrößen: Deutsche <> Englische

Vieles auf der Welt ist mittlerweile genormt, nur eine einheitliche und verbindliche Norm für Schuhgrößen gibt es noch immer nicht. Und so kommt es leider immer wieder einmal vor, dass viele Menschen Ihre Schuhgröße zwar z.B. als englische Größe kennen, jedoch nicht die entsprechende deutsche. Als Folge werden Schuhe anprobiert, die nicht richtig passen (Die fallen aber klein aus), und bis der Fehler erkannt wird, werden oft Füße und Nerven gleichermaßen beansprucht.

Die untenstehende Tabelle sollte da Licht in's Dunkel bringen. Es ist deutlich zu erkennen, dass z.B. einer Frau mit Schuhgröße 6 nicht auch unbedingt Schuhe in 39 passen, oder ein Mann mit Schuhgröße 43 nicht automatisch ein Paar in 9 sondern vielleicht auch eines in 8½ probieren sollte.

Schuhgrößen deutsch <>englisch

Schuhpflege richtig!

Ein gutes Paar Schuhe muss nicht nur perfekt am Fuß sitzen sondern auch einiges aushalten: Angefangen von Feuchtigkeit und Nässe über starke Sonneneinstrahlung und extreme Temperaturschwankungen bis zu physischer Belastung wenn man z.B. beim Stolpern mit dem Schuh hängenbleibt oder einem jemand auf die Füße tritt - vom alltäglichen Schmutz auf der Straße ganz zu schweigen. Dinge also, von denen man ganz selbstverständlich erwartet, dass ein Schuh sie aushält, aber trotzdem hohe Anforderungen an das Material stellen!

Imprägnieren
Noch bevor ein Schuh das erste Mal getragen wird, sollte er einmal mit einem Imprägnierspray behandelt werden. Dadurch wird das Leder vor Nässe geschützt und verhindert, dass sich Wasserflecken oder -ränder bilden können. Dies sollte bei Bedarf wiederholt werden - je nachdem, wie stark das Leder beansprucht wurde.

Lederpflege
Leder ist ein lebendiges und flexibles Material welches unter verschiedenen Umweltbedingungen unterschiedlich reagiert. Um diese Flexibilität zu erhalten, sollte es regelmäßig mit echter Lederpflege behandelt werden. Dies verhindert nicht nur das Ausbleichen sondern vor allem ein Austrocknen und späteres Reißen.

Durchnässte Schuhe nach Regenguss - was tun?
Ein nasser Schuh, weil man von einem Unwetter überrascht wurde oder aus Versehen in eine tiefe Pfütze gelaufen ist: Davor ist niemand gefeit und dem Schuh macht es normalerweise nicht viel aus. Aber aufgepasst: Die Schuhe dürfen anschließend keinesfalls zum Trocknen auf die Heizung gestellt werden, denn was mit Stoffen gut funktioniert, ist für Leder Gift! Der Grund ist, dass Leder ein organisches Material ist, welches nur langsam Feuchtigkeit wieder abgeben kann ohne Schaden zu nehmen. Das “gewaltsame” Trocknen führt zu Rissen und schädigt die Struktur irreparabel.
Richtig: Die Schuhe mit Zeitungspapier ausstopfen und an einen trocknen, normal beheizten Ort stellen. Nach 1-2 Tagen sollten die Schuhe wieder so trocken sein, dass sie mit Lederpflege behandelt, imprägniert und so wieder fit für den Alltag gemacht werden können.

Reparatur
Wenn ein Paar Schuhe gern und viel getragen wird, kommt irgendwann der Moment, an dem sie auch einmal repariert werden müssen. Meist ist es zuerst ein Absatz oder die Sohle, die abgelaufen ist und erneuert werden muss. Solche und viele andere Dinge erledigt unser Schuhmacher zuverlässig und schnell. Voraussetzung ist jedoch, dass die Schuhe vom Material noch genug hergeben. Denn leider passiert es nur allzu häufig, dass z.B. eine abgelaufene Sohle bereits so abgelaufen ist, dass das Material darunter bereits beschädigt wurde. Eine Reparatur wird so schwieriger, dadurch teurer und manchmal sogar unmöglich. Darum: Nicht warten, bis die Schuhe tatsächlich nicht mehr “gehen”, sondern rechtzeitig zum Schuhmacher geben.